Was macht ein Bild aus? Ein Bild kann als Komposition von Farben verstanden werden, die auf einem Medium fixiert sind. Eine Kante im Bild tritt durch eine Farbänderung hervor. Desto rascher eine Farbänderung erfolgt, umso deutlicher ist die Kante - es gibt weiche oder harte Kanten. Kanten definieren Konturen und Konturen beschreiben Flächen. Farben, Linien und Flächen wirken gemeinsam und wir erkennen im Bild vorhandene Formen, Muster, Strukturen oder Gestalten. Diese interpretieren wir z.B. als Licht, Blume oder Vogel. Neben der statischen Beschreibung von Bildinhalten können wir nach der Dynamik des Bildinhaltes forschen. Die Bilddynamik kommt durch die Änderungen zwischen verschiedenen Bildbereichen zum Ausdruck. Das Bild kann als zeitlicher Fluss interpretiert werden, auf dem wir reisen, indem wir unseren Blick langsam von einem Bildbereich in einen anderen Bildbereich schweifen lassen. Dabei beginnen wir uns dafür zu interessieren, wie sich das Bild selbst "bewegt". Wir versuchen zu ergründen, wie das Bild entstanden ist und welche Einflüsse darin integriert wurden. Wir verstehen, dass die Regeln der Form- oder Gestaltbildung immer auf Zufall und Gesetz beruhen. Sie machen den Raum erst sichtbar und erzeugen die Bilddynamik mit ihren fließenden Übergängen. In bestimmten Mischungsverhältnissen verbinden sich Chaos und Ordnung miteinander und erzeugen einerseits Harmonie und andererseits Spannung.

Wirklich reizvolle und geheimnisvolle Bilder entstehen erst durch ein
Regelwerk, das die Kombination von Zufall und Gesetz in einer gekonnten
Mischung vorsieht.
In den neueren Theorien aus Mathematik und Physik wird das
als "Deterministisches Chaos" bezeichnet, was z.B. durch die sogenannten Fraktale
schön visualisiert werden kann.
In diesen Theorien geht es um exakte Naturgesetze, die unter
bestimmten Umständen zu einem chaotischen Verhalten
führen können, wie man es z.B. mit einem Magnetpendel
zeigen kann.
Richtig interessant daran ist nun, dass es auch umgekehrt geht:
Zufallsereignisse können zu einer
Ordnung führen, etwa durch das Gesetz der grossen
Zahl. Ein Beispiel dafür ist das Galton-Brett,
bei dem sehr viele Kügelchen durch ein Nagelbrett fallen und
in ihrer Gesamtheit eine (je nach Anordnung der Nägel) beispielsweise
Normalverteilungskurve bilden.
Ein anderes Beispiel ist der Übergang vom Kleinen ins Grosse,
wie es durch die Quantenmechanik und die Klassische Mechanik gegeben ist.
Hier wird aus einer zunächst nur determinierten Wahrscheinlichkeit eine determinierte Bahnkurve.
Das könnte man als chaotischen oder besser "Probabilistischen Determinismus" bezeichnen.
Zufall erzeugt demnach nicht notwendigerweise Chaos und Gesetze
erzeugen nicht zwangsläufig Ordnung.
Es scheint eher auf die Fragestellung anzukommen, ähnlich wie
man es schon beim Welle-Teilchen-Dualismus aus der Quantenmechanik kennt.
Physiker sagen hierzu: Partikel sind schlicht beides zusammen und
je nach Experiment tritt entweder der eine oder der andere Charakter zu Tage.
Es handelt sich lediglich um die zwei Seiten ein- und derselben Medaille.